In diesem Artikel erfährst du, welche Trading-Strategien es gibt, welche besonders beliebt sind und welche Strategie an welchen Märkten häufig genutzt wird. Zudem lernst du, wie Trading-Gewinne besteuert werden und wie du deine reale Rendite nach Steuern erhöhen kannst.
Inhalt · 9 Abschnitte
Welche Trading-Strategien gibt es?
Die gängigen Trading-Strategien lassen sich nach der Haltedauer einer Position ordnen. Dazu kommen Ansätze wie Trendfolge, Breakout und Momentum, die festlegen, wann du einsteigst – und die sich mit jeder Haltedauer kombinieren lassen.
| Strategie | Haltedauer | Typischer Chart | Zeitaufwand | Erfahrung |
|---|---|---|---|---|
| Positionstrading | Tage bis Monate | Tages- und Wochenchart | gering | Einsteiger |
| Swing Trading | Tage bis Wochen | Tageschart, 4-Stunden-Chart | mittel | Einsteiger bis Fortgeschrittene |
| Daytrading | Minuten bis Stunden, nie über Nacht | 5- bis 15-Minuten-Chart | hoch | Fortgeschrittene |
| Scalping | Sekunden bis Minuten | 1-Minuten- und Tick-Chart | sehr hoch | Profis |
| Trendfolge | je nach Zeitebene | beliebig | je nach Zeitebene | Einsteiger bis Fortgeschrittene |
| Breakout | je nach Zeitebene | beliebig | mittel bis hoch | Fortgeschrittene |
| Momentum | Tage bis Monate | Tages- und Wochenchart | mittel | Fortgeschrittene |
Richtwerte. Wie lange du eine Position hältst und welchen Chart du nutzt, legst du in deinen eigenen Regeln fest.
Was sind Trading-Strategien (Handelsstrategien)?
„Trading“ ist der englische Begriff für Handel. Gemeint ist damit der Handel an den Finanzmärkten, bei welchem durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten ein Gewinn erzielt werden soll.
Im Gegensatz zum klassischen Investieren geht es beim Trading eher darum, einen Gewinn innerhalb eines gewissen Zeitraums zu erzielen. Trading-Strategien sind im Prinzip gewisse Regeln, deren Befolgung Trader dabei unterstützen, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen und damit ihren Gewinn zu maximieren. Sie beziehen sich also auf den aktiven Handel.
Eine der bekanntesten Handelsstrategien ist Daytrading. Dabei öffnen und schließen Trader innerhalb eines Tages mehrere Positionen.
Wenn man von Investieren spricht, ist die Strategie dagegen eher ein Kaufen und langfristiges Halten von Wertpapieren, bis man meistens erst nach einigen Jahren mit Gewinn verkauft.
Auch beim Investieren können verschiedene Strategien verfolgt werden. Für Aktieninvestments sind hier beispielsweise die Value-Strategie oder die Dividenden-Strategie besonders beliebt. Bei ersterer sucht man sich Aktien, die unterbewertet scheinen. Bei letzterer kauft man hauptsächlich Aktien, die besonders gute Dividenden zahlen.
Grundlagen der Chartanalyse
Bei sämtlichen Handelsstrategien nutzen Trader entweder die Chartanalyse, die Fundamentalanalyse oder eine Kombination von beiden. Bei der Chartanalyse geht es um die Analyse des Verhaltens von anderen Marktteilnehmern anhand der Finanzcharts. Dies ist besonders beim aktiven Handeln ein zentrales Instrument. Wenn du mit Trading starten möchtest, solltest du daher auf jeden Fall ein gutes Verständnis für Charts entwickeln und auch Kerzencharts problemlos lesen und interpretieren können.
Die Fundamentalanalyse wird dagegen hauptsächlich für Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen verwendet. Denn dabei werden die Fundamentaldaten von Unternehmen oder Staaten anhand bestimmter Kennzahlen untersucht. Diese Art der Analyse wird daher hauptsächlich für langfristiges Investieren oder Positionstrading verwendet.
Für Handelsstrategien sind in erster Linie Kerzencharts relevant. Diese Charts werden in der Regel im Bereich für Trader direkt vom Broker angezeigt. So kannst du diese beispielsweise beim FELS Broker in der Trader Workstation nutzen.
Eine Kerze repräsentiert dabei einen Zeitrahmen oder ein Intervall. Diesen kannst du selbst einstellen. Gängige Intervalle reichen von einer Minute bis zu einem Jahr. Wenn du beispielsweise ein Intervall von einer Stunde auswählst, dann entspricht jede Kerze einer Stunde. Der „Körper“ einer Kerze wird durch den Eröffnungs- und Schlusskurs der entsprechenden Periode begrenzt. Wenn der Eröffnungskurs tiefer ist als der Schlusskurs, ist die Kerze grün. Im umgekehrten Fall ist die Kerze rot. Bewegt sich der Kurs während eines Intervalls über oder unter den Eröffnungs- oder Schlusskurs, wird dies durch die „Kerzendochte“ gekennzeichnet. Dies sind die dünnen Linien über oder unter dem Kerzenkörper.
Für die Chartanalyse können zahlreiche Analysetools oder Indikatoren verwendet werden. Besonders beliebt sind beispielsweise die sogenannten Moving Averages (gleitende Durchschnitte). Diese werden als Linie dargestellt und bilden den Durchschnitt einer gewissen Anzahl Kerzen ab. Der 50er Moving Average bildet beispielsweise den durchschnittlichen Wert der letzten 50 Kerzen ab. Viele Trader nutzen ihn als Filter: Befinden sich die Kerzen über der Linie, suchen sie vor allem nach Long-Positionen. Bewegen sich die Kerzen unter die Linie, eher nach Short-Positionen. Eine Gewinngarantie ist das nicht – in Seitwärtsphasen liefert die Linie viele Fehlsignale.
Weiterhin können auf dem Chart auch Linien gezeichnet werden, um beispielsweise einen Trend besser darstellen zu können.
Dies ist beispielsweise der 1-Stunden-Chart der Amazon-Aktie. Die orange Linie ist der 50er Moving Average und zeigt somit jeweils den Schnitt der letzten 50 Kerzen (also 50 Stunden) an. Die blaue Linie ist eine manuell eingezeichnete Trendlinie.
Die 5 beliebtesten Trading-Strategien
Die gängigsten Trading-Strategien unterscheiden sich hauptsächlich durch die Dauer, während welcher eine Position geöffnet bleibt. Sämtliche Strategien können entweder durch reguläres Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren oder mithilfe von CFDs genutzt werden. CFDs (Differenzkontrakte) sind Derivate, die lediglich einen Basiswert abbilden. Der Vorteil davon ist, dass du nicht nur mithilfe von Long-Positionen auf steigende Kurse setzen kannst. Stattdessen kannst du auch fallende Kurse mithilfe von Short-Positionen nutzen.
Zudem werden CFDs in der Regel mit einem Hebel gehandelt. Das heißt, dass du mit mehr Kapital traden kannst, als du eigentlich in deinem Depot hast.
Hebel wirkt in beide Richtungen
Ein Hebel vergrößert Gewinne und Verluste gleichermaßen. Für Privatkunden ist er deshalb begrenzt, etwa auf 30:1 bei großen Währungspaaren und 2:1 bei Kryptowährungen; eine Nachschusspflicht über das eingesetzte Kapital hinaus ist ausgeschlossen. CFD-Anbieter müssen außerdem angeben, wie viel Prozent ihrer Privatkundenkonten mit CFDs Geld verlieren – meist ist es deutlich mehr als die Hälfte.
1. Positionstrading
Die Positionstrading-Strategie kommt dem klassischen Investieren am nächsten. Denn dabei werden Positionen für einen längeren Zeitraum offengelassen. Dies kann zwischen einigen Tagen und mehreren Monaten sein.
Im Gegensatz zum reinen Investieren verfolgen Positionstrader ihre Position allerdings aktiv mithilfe von fundamentaler und technischer Analyse.
- Boden Nach einem Abwärtstrend stabilisiert sich der Kurs. Positionstrader prüfen jetzt auch die Fundamentaldaten des Unternehmens.
- Einstieg Der Wochenschluss liegt wieder über dem gleitenden Durchschnitt – ein Zeichen, dass der Trend dreht.
- Halten Die Position bleibt Wochen bis Monate offen. Rücksetzer gehören dazu, solange der Aufwärtstrend intakt ist.
- Stop nachziehen Nach jedem neuen Hoch wandert der Stop-Loss unter das letzte Tief. So ist ein wachsender Teil des Gewinns gesichert.
- Ausstieg Der Kurs fällt unter den nachgezogenen Stop-Loss – die Position wird geschlossen, der Großteil des Anstiegs bleibt.
2. Swing Trading
Beim Swing Trading geht es darum, eine Marktbewegung über einen mittelfristigen Zeitraum auszunutzen. Positionen werden hier oft während maximal einer Woche offengelassen. Ziel ist es, einen Trend frühzeitig zu erkennen und die Kursbewegung – also den Swing – auszunutzen. Idealerweise wird beim Kurstief ein Kauf getätigt und das Wertpapier beim Kurshoch wieder verkauft.
Dafür werden oft Tagescharts genutzt, um Trends zu erkennen. Swing Trading wird oft auch in Kombination mit der Trendfolge-Strategie verwendet. Typische Swing-Trading-Strategien sind der Einstieg nach einer Korrektur in einem intakten Aufwärtstrend (Pullback) sowie Käufe an Unterstützungen und Verkäufe an Widerständen. Um solche Zonen zu finden, nutzen viele Swing-Trader gleitende Durchschnitte oder Fibonacci-Retracements.
- Aufwärtstrend Höhere Hochs, höhere Tiefs, der Kurs läuft über der steigenden Durchschnittslinie.
- Rücksetzer Der Kurs korrigiert einige Tage bis an die Linie oder eine Unterstützung – hier entsteht die Chance.
- Einstieg Eine kräftige grüne Umkehrkerze zeigt, dass die Käufer zurück sind.
- Stop-Loss Unter dem Tief des Rücksetzers. Wird es unterschritten, ist das Swing-Muster gescheitert.
- Ziel Das letzte Hoch. Swing-Trader nehmen den Schwung mit und steigen nach Tagen bis wenigen Wochen aus.
3. Daytrading
Bei der Daytrading-Strategie geht es darum, Positionen innerhalb eines Tages zu öffnen und wieder zu schließen. Konkret heißt das, dass keinerlei Positionen nach Marktschließung am Abend noch geöffnet sind.
Für Daytrading werden gerne CFDs verwendet. Denn damit kann man nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse spekulieren. Zudem fallen bei CFDs Übernachtgebühren an, wenn eine Position über Nacht geöffnet bleibt. Daher eignen sich diese Derivate besonders gut für den Tageshandel.
Diese Strategie eignet sich am besten, wenn du sehr viel Zeit zur Verfügung hast. Viele Daytrader handeln Vollzeit. Denn dafür muss man die Märkte und Nachrichten ständig im Blick haben. Zudem muss man während der Marktöffnungszeiten verfügbar sein. Wenn du tagsüber keine Zeit hast, ist das eher schwierig, außer du handelst an internationalen Börsen mit anderen Öffnungszeiten.
Bekannte Daytrading-Strategien sind der Opening Range Breakout, Trades in Richtung des VWAP – des volumengewichteten Durchschnittskurses des Tages – und das Handeln von Unternehmens- oder Konjunkturnachrichten.
- Eröffnung Die erste halbe Stunde ist unruhig, die Umsätze sind hoch. Viele Daytrader warten sie ab.
- VWAP Die Linie zeigt den volumengewichteten Durchschnittskurs des Tages. Liegt der Kurs darüber, haben die Käufer die Oberhand.
- Einstieg Der Rücksetzer auf den VWAP hält, die nächste Kerze dreht nach oben – Long-Einstieg.
- Stop-Loss Knapp unter dem VWAP. Fällt der Kurs deutlich darunter, ist die Idee hinfällig.
- Glattstellen Spätestens vor Handelsschluss wird die Position geschlossen – über Nacht bleibt nichts offen.
Dies ist eine der beliebtesten Handelsstrategien, da man durch die häufigen Käufe und Verkäufe theoretisch schnell stattliche Gewinne erzielen kann. In der Realität werden aber auch zahlreiche Trades – manchmal sogar die Mehrheit – mit Verlust geschlossen. Selbst bei erfolgreichen Händlern können sich die Verluste daher am Ende des Jahres ebenfalls summieren.
Apropos Verlust
Verluste aus Termingeschäften wie Optionen, Futures oder CFDs kannst du privat seit dem Jahressteuergesetz 2024 wieder ohne Höchstgrenze mit allen Kapitalerträgen verrechnen. Die frühere 20.000-€-Grenze ist gestrichen – rückwirkend für alle offenen Fälle.
Was sich genau geändert hat, erklären wir im Artikel zur Verlustverrechnungsbeschränkung.
4. Scalping
Scalping wird gerne in sehr liquiden Märkten angewendet. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Form von Daytrading, denn Positionen werden hier nie über Nacht offengelassen. Stattdessen werden mit dieser Strategie äußerst kurze Zeiträume gehandelt. Oft wird eine Position nur für wenige Sekunden offengelassen, bevor sie wieder geschlossen wird. Da die Gewinne pro Trade verhältnismäßig gering ausfallen, müssen Trader mit dieser Strategie eine große Menge an Trades pro Tag durchführen. Im Gegenzug können sich aber auch schnell Verluste ansammeln, wenn die Einschätzung bei einigen Trades hintereinander falsch war. Hinzu kommen die Handelskosten, die bei vielen kleinen Trades stark ins Gewicht fallen. Deshalb eignet sich diese Strategie am besten für erfahrene Trader, die sich bestens mit der Chartanalyse auskennen.
Um eine möglichst hohe Anzahl Trades durchführen zu können, wird hierfür oft automatisiertes Trading verwendet. Dabei nutzt man eine Software, die mithilfe eines Algorithmus eigenständig Ein- und Ausstiegspunkte findet.
- Enge Spanne Im 1-Minuten-Chart bewegt sich der Kurs oft nur um wenige Cent. Gehandelt wird, was in Sekunden bis Minuten passiert.
- Viele kurze Trades Jede grüne Box ist ein Gewinn-Trade: Einstieg unten, Ausstieg wenige Cent höher, oft nach ein bis drei Minuten.
- Spread Kauf- und Verkaufskurs liegen auseinander. Jeder Trade startet mit diesem Abstand im Minus – bei kleinen Zielen ein großer Teil des Gewinns.
- Enger Stop Läuft ein Trade gegen dich, wird er sofort geschlossen. Verluste gehören fest dazu.
- Bilanz Erst die Summe aller Trades nach Spread und Gebühren zeigt, ob sich Scalping lohnt.
5. Trendfolge-Strategie
Ziel der Trendfolge-Strategie ist, einen Trend frühzeitig zu erkennen und bis zum Ende auszunutzen. Diese Strategie folgt dem Sprichwort „the trend is your friend“. Die Idee ist, dass man der Mehrheit der Anleger folgt und rechtzeitig wieder aus dem Trade aussteigt. So wird zwar selten das absolute Tief oder Hoch getroffen. Da eine Vorhersage dieser beiden Punkte aber ohnehin fast unmöglich ist, ist ein Ausstieg, sobald der Trend abzubrechen scheint, meistens eine sicherere Methode.
Der Zeitraum spielt für diese Strategie keine Rolle. So kann die Trendfolge theoretisch sowohl beim Positionstrading als auch beim Daytrading oder je nachdem sogar beim Scalping genutzt werden. Dafür werden beispielsweise Trendlinien genutzt. Sobald der Trend erkannt wird, öffnet man eine Position. Wird die Trendlinie durchbrochen, deutet das auf eine Trendwende hin und die Position wird dementsprechend wieder geschlossen.
- Trend erkennen Der Kurs bildet höhere Tiefs. Die Trendlinie verbindet mindestens zwei davon.
- Einstieg Nach dem zweiten Abprall von der Trendlinie gilt der Trend als bestätigt – Einstieg.
- Im Trend bleiben Solange die Rücksetzer an der Trendlinie enden, bleibt die Position offen.
- Trendbruch Ein Schlusskurs unter der Trendlinie ist das Ausstiegssignal.
- Ergebnis Tief und Hoch verpasst der Trendfolger. Dafür nimmt er den großen Teil dazwischen mit, ohne die Wende vorhersagen zu müssen.
Weitere Trading-Strategien: Breakout und Momentum
Neben den fünf klassischen Strategien begegnen dir zwei Ansätze besonders häufig. Sie legen weniger die Haltedauer fest als den Zeitpunkt, zu dem du einsteigst.
Breakout-Strategie
Bei der Breakout-Strategie (Ausbruchsstrategie) wartest du, bis der Kurs eine wichtige Marke durchbricht – etwa einen Widerstand, das Hoch der letzten Wochen oder die Grenze einer Seitwärtsphase. Die Idee dahinter: Nach einem Ausbruch setzt sich die Bewegung oft fort, weil weitere Marktteilnehmer einsteigen und Stop-Orders ausgelöst werden. Ein bekanntes Beispiel ist das System der „Turtle Trader“ mit dem Donchian-Kanal: Kauf, sobald der Kurs über das Hoch der letzten 20 Tage steigt, Verkauf, sobald er unter das Tief der letzten 10 Tage fällt.
- Seitwärtsphase Der Kurs pendelt zwischen Unterstützung und Widerstand. Je öfter der Widerstand hält, desto mehr Trader warten auf den Ausbruch.
- Ausbruch und Einstieg Eine Kerze schließt über dem Widerstand. Entscheidend ist der Schlusskurs, nicht ein kurzer Docht darüber.
- Volumen Am Tag des Ausbruchs wird deutlich mehr gehandelt als in der Seitwärtsphase – ein Zeichen, dass viele Marktteilnehmer mitgehen.
- Rücksetzer Oft kehrt der Kurs kurz zum alten Widerstand zurück. Hält er dort, ist aus dem Widerstand eine Unterstützung geworden.
- Stop-Loss Knapp unter dem alten Widerstand. Fällt der Kurs zurück in die Seitwärtsphase, war es ein Fehlausbruch – der Verlust bleibt klein.
- Kursziel Eine verbreitete Faustregel trägt die Höhe der Seitwärtsphase (H) vom Ausbruchspunkt nach oben ab.
Eine beliebte Variante für Daytrader ist der Opening Range Breakout: Du markierst Hoch und Tief der ersten 15 oder 30 Minuten nach Handelsbeginn und handelst den Ausbruch aus dieser Spanne. Das größte Risiko sind Fehlausbrüche, bei denen der Kurs kurz über die Marke steigt und dann zurückfällt. Viele Trader achten deshalb auf ein hohes Handelsvolumen beim Ausbruch und setzen ihren Stop-Loss knapp hinter die durchbrochene Marke.
Momentum-Strategie
Bei der Momentum-Strategie kaufst du Werte, die zuletzt besonders stark gestiegen sind, und setzt darauf, dass sich diese Stärke eine Zeit lang fortsetzt. Gemessen wird das Momentum zum Beispiel an der Kursentwicklung der letzten drei bis zwölf Monate oder mit Indikatoren wie dem RSI (Relative Strength Index) oder dem MACD. Der Momentum-Effekt bei Aktien ist wissenschaftlich gut untersucht: Aktien mit der besten Wertentwicklung der vergangenen Monate haben sich in Studien auch in den Folgemonaten überdurchschnittlich entwickelt.
- Rückblick Verglichen wird die Wertentwicklung der letzten zwölf Monate – hier von drei Aktien.
- Rangliste Gekauft wird der stärkste Wert, hier Aktie A mit +38 %.
- Halten Die Stärke setzt sich oft noch einige Monate fort – darauf setzt die Strategie.
- Regelmäßig prüfen Jeden Monat wird neu verglichen. Fällt ein Wert in der Rangliste zurück, wird er verkauft.
- Risiko Dreht die Stimmung, fallen die stärksten Gewinner oft besonders schnell. Ohne festen Ausstieg ist der Gewinn schnell weg.
Der Unterschied zur Trendfolge: Die Trendfolge fragt, in welche Richtung sich ein Kurs bewegt, Momentum fragt, wie stark – meist im Vergleich zu anderen Werten. Das Risiko sind abrupte Umkehrungen: Wenn die Stimmung dreht, fallen gerade die stärksten Gewinner oft besonders schnell.
Trading-Strategien für Aktien, Forex und Krypto
Grundsätzlich kann Trading in jedem Finanzmarkt betrieben werden. Wichtig ist allerdings, dass ein gewisses Maß an Volatilität (Kursschwankungen) und Liquidität (Verfügbarkeit) vorhanden ist. Daher sind gewisse Märkte beliebter als andere. Forex (Währungen) ist beispielsweise besonders beliebt, da für alle größeren Währungen stets genügend Liquidität besteht. Die Volatilität ist zwar eher niedrig. Dafür wird Forex jedoch gerne mit CFDs gehandelt, denn hier kannst du mithilfe eines Hebels einen Multiplikator nutzen.
Besonders beliebt sind auch Aktien, Kryptowährungen, Rohstoffe oder Indizes. Hier einige beliebte Trading-Strategien für Aktien, Forex und Krypto.
Trading-Strategien für Aktien
Aktien werden nicht nur für Trading, sondern auch für Investing verwendet. Daher halten Marktteilnehmer diese gerne für eine längere Dauer, was zu länger andauernden Trends führt. Deswegen können sich für Aktien Positionstrading, Swing Trading oder auch die Trendfolge-Strategie gut eignen.
Hier siehst du beispielsweise, dass die Tesla-Aktie 2023 eine Zeit lang einem steigenden Trend folgte. Hier ist der Tageschart abgebildet. Hätte man den Trend beispielsweise bei der zweiten Berührung der Trendlinie im April erkannt, hätte man diesem so lange folgen können, bis die Trendlinie durchbrochen wird. Dann würde man die Aktie gemäß der Trendfolge-Strategie wieder verkaufen.
Übrigens
Auch beim Handel mit Aktien kannst du mit der GmbH deutlich Steuern sparen. Denn wenn du mit dem Geschäftsvermögen tradest, sind 95 % der Veräußerungsgewinne nach § 8b KStG steuerfrei. Damit zahlst du effektiv nur rund 1,5 % Steuern auf deine Kursgewinne, solange sie in der GmbH bleiben.
Wie das im Vergleich zu privat aussieht, liest du weiter unten unter Steuern beim Trading.
Trading-Strategien für Forex
Forex gehört zu den beliebtesten Märkten für den regelmäßigen Handel. Das liegt zum einen an der guten Liquidität. Zum anderen werden Währungspaare an verschiedenen Börsen weltweit gehandelt. Da diese aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen über verschiedene Öffnungszeiten verfügen, kannst du Forex wochentags mehr oder weniger rund um die Uhr traden.
Dies ist beispielsweise der 1-Minuten-Chart von EUR/USD. Wie du siehst, hätte man innerhalb weniger Stunden zahlreiche Marktbewegungen traden können. Objektiv betrachtet sind die Bewegungen allerdings sehr gering. So hat sich der Kurs lediglich zwischen 1,07 und 1,073 bewegt. Das sind nur 0,3 Cent. Deshalb nutzen viele Händler für Forex gerne Scalping, um mit der Menge an Trades Gewinne erzielen zu können.
Trading-Strategien für Krypto
Kryptowährungen gelten als sehr volatil und deswegen riskant. Volatilität kann beim Trading allerdings gut genutzt werden. Deshalb können theoretisch alle Trading-Strategien für Kryptowährungen verwendet werden.
Dies ist beispielsweise der 1-Stunden-Chart von Bitcoin/USD. Hier siehst du, dass sich der Kurs innerhalb von wenigen Stunden um mehrere tausend Dollar bewegen kann. Dies kann beispielsweise durch Daytrading oder auch Swing Trading über mehrere Tage ausgenutzt werden.
Welche Trading-Strategie ist die beste?
Die beste Trading-Strategie ist diejenige, mit der du dich am wohlsten fühlst. Man kann nicht pauschal sagen, dass eine Strategie besser ist als alle anderen. Vielmehr kommt es darauf an, wie viel Zeit du fürs Trading zur Verfügung hast, wie risikofreudig du bist und wie gut du dich mit der Chartanalyse und Indikatoren auskennst.
Wenn du beispielsweise Trading zu deinem Beruf machen willst und acht Stunden täglich dafür aufbringen kannst, dann könnte Daytrading oder Scalping gut für dich geeignet sein. Möchtest du dich allerdings nur nach Feierabend damit auseinandersetzen und vielleicht auch nicht mit Hebeln handeln, dann ist Positionstrading oder Swing Trading wahrscheinlich besser für dich geeignet.
Egal, für welche Strategie du dich entscheidest: Lege deine Regeln für Ein- und Ausstieg vorher fest, begrenze das Risiko pro Trade und teste die Strategie zunächst mit kleinen Beträgen oder einem Demokonto.
Steuern beim Trading: privat oder GmbH?
Trading lockt viele Anfänger mit potenziell großen Gewinnen. Gerade bei regelmäßigem Trading steht einem großen Gewinn allerdings oft auch ein stattlicher Verlust entgegen. Solange die Differenz positiv ist, spielt das auf den ersten Blick auch keine Rolle, da du am Ende ja trotzdem einen Gewinn nach Hause nehmen kannst.
Allerdings solltest du beim Trading auch den Gewinn nach Steuern berechnen. Wie hoch die Steuer ist und wie sich Verluste verrechnen lassen, hängt davon ab, was du handelst – und ob du privat oder mit einer Trading-GmbH tradest.
| Was du handelst | Privat | GmbH* |
|---|---|---|
| Aktien | 26,375 % Abgeltungsteuer; Verluste nur mit Aktiengewinnen verrechenbar | 1,49 %, weil 95 % der Kursgewinne steuerfrei sind; Verluste nicht abziehbar |
| Termingeschäfte (Optionen, Futures, CFDs) | 26,375 % Abgeltungsteuer; Verluste mit allen Kapitalerträgen verrechenbar | 29,83 %; Verluste nur mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechenbar |
| Kryptowährungen | nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, sonst persönlicher Steuersatz (Freigrenze 1.000 €) | 29,83 %, unabhängig von der Haltedauer |
| Kosten (Software, Kursdaten, Zinsen) | bei Kapitalerträgen nicht absetzbar, nur Sparer-Pauschbetrag 1.000 € | als Betriebsausgaben abziehbar |
* Körperschaftsteuer mit Solidaritätszuschlag plus Gewerbesteuer bei einem Hebesatz von 400 %, gilt für Gewinne, die in der GmbH bleiben. Privat ohne Kirchensteuer; Sparer-Pauschbetrag 2.000 € bei Zusammenveranlagung.
Bis 2024 galt privat für Verluste aus Termingeschäften eine Grenze von 20.000 € im Jahr – damals ein starkes Argument für die GmbH. Diese Grenze ist mit dem Jahressteuergesetz 2024 gestrichen. In der GmbH gilt dagegen eine eigene Beschränkung: Verluste aus Termingeschäften lassen sich dort nur mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnen. Zusammen mit dem höheren Steuersatz ist die GmbH für reine Termingeschäfte heute meist teurer als privat. Ihre Stärke spielt sie bei Aktien aus:
50.000 € Gewinn mit Aktien
Ersparnis in der GmbH12.442 €
50.000 € Gewinn mit Optionen oder CFDs
Mehr Steuer in der GmbH1.725 €
Vereinfachte Rechnung für 2026: privat Abgeltungsteuer inkl. Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer und Sparer-Pauschbetrag; GmbH mit Gewerbesteuer-Hebesatz 400 %, ohne laufende Kosten. Der Gewinn bleibt in der GmbH.
Wie viel wären das bei dir? Rechne es mit uns durch: Termin auswählen →
Dazu kommen drei Punkte, die du in deine Rechnung einbeziehen solltest:
- Kosten: In der GmbH sind Handelsplattform, Kursdaten, Software und Finanzierungszinsen Betriebsausgaben. Die laufenden Kosten der GmbH selbst – Buchhaltung, Jahresabschluss – fallen aber auch in Jahren ohne Gewinn an.
- Ausschüttung: Die niedrigen Sätze gelten nur, solange der Gewinn in der GmbH bleibt und dort reinvestiert wird. Schüttest du ihn an dich aus, fällt noch einmal Abgeltungsteuer an; bei Termingeschäften sind es dann insgesamt rund 48 %.
- Ab 2028: Die Körperschaftsteuer sinkt von 15 % jedes Jahr um einen Prozentpunkt auf 10 % ab 2032. Bei einem Hebesatz von 400 % ist die GmbH dann ab 2031 auch für reine Termingeschäfte günstiger als privat.
Ob sich eine GmbH für dein Trading lohnt, hängt also vor allem davon ab, welchen Anteil Aktien und Termingeschäfte an deinen Gewinnen haben und wie lange du die Gewinne in der Gesellschaft lässt. Wie Optionen, Futures und CFDs im Detail besteuert werden, liest du im Artikel Termingeschäfte in der GmbH.
Häufige Fragen zu Trading-Strategien
Welche Trading-Strategie eignet sich für Anfänger?
Für den Einstieg eignen sich Positionstrading und Swing Trading auf dem Tageschart. Sie brauchen weniger Zeit als Daytrading, du triffst weniger Entscheidungen unter Zeitdruck und kommst ohne Hebel aus. Übe zunächst mit kleinen Beträgen oder einem Demokonto und halte jeden Trade mit Einstieg, Ausstieg und Begründung in einem Trading-Tagebuch fest.
Lohnt sich Daytrading?
Für die meisten Privatanleger nicht. Eine Auswertung aller Daytrader am brasilianischen Terminmarkt von 2013 bis 2015 zeigt: Von denen, die an mehr als 300 Tagen gehandelt haben, haben 97 % Geld verloren. Nur rund 1 % verdiente mehr als den brasilianischen Mindestlohn. Handelskosten, Spreads und Steuern machen kleine Vorteile pro Trade schnell zunichte.
Welche Indikatoren nutzen Trader am häufigsten?
Am verbreitetsten sind gleitende Durchschnitte (Moving Averages), der RSI, der MACD und Bollinger-Bänder. Daytrader nutzen oft zusätzlich den VWAP, Swing-Trader Fibonacci-Retracements, um Unterstützungen und Widerstände zu finden. Kein Indikator sagt den Kurs voraus – er hilft nur, die eigenen Regeln einheitlich anzuwenden.
Wie werden Gewinne aus dem Trading versteuert?
Privat zahlst du auf Gewinne aus Aktien und Termingeschäften 26,375 % Abgeltungsteuer plus gegebenenfalls Kirchensteuer; Kryptowährungen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. In einer GmbH sind Aktiengewinne mit rund 1,5 % belastet, Gewinne aus Termingeschäften und Krypto mit rund 30 %. Die Details stehen im Abschnitt Steuern beim Trading.
Lohnt sich eine GmbH für dein Trading?
In 30 Minuten rechnen wir mit dir durch, ob sich die GmbH bei deinem Mix aus Aktien, Termingeschäften und Krypto lohnt – kostenlos, online, ohne Verpflichtung.
Quellen
- § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 3, Abs. 6 und 9 EStG – Veräußerungsgewinne aus Aktien und Termingeschäften, Verlustverrechnung, Sparer-Pauschbetrag
- § 32d Abs. 1 EStG – Abgeltungsteuer 25 %; § 4 SolZG 1995 – Solidaritätszuschlag 5,5 %
- Jahressteuergesetz 2024 vom 02.12.2024, BGBl. 2024 I Nr. 387 vom 05.12.2024 – Streichung von § 20 Abs. 6 Satz 5 und 6 EStG (20.000-€-Grenze für Termingeschäfte und Totalverluste), anzuwenden in allen offenen Fällen
- § 15 Abs. 4 Satz 3 bis 5 EStG – Verluste aus Termingeschäften im Betriebsvermögen
- BFH, Urteil vom 06.07.2016 – I R 25/14: § 15 Abs. 4 Satz 3 EStG gilt über § 8 Abs. 1 KStG auch für Kapitalgesellschaften
- § 8b Abs. 2 und 3 KStG – Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften zu 95 % steuerfrei, Verluste nicht abziehbar
- § 23 Abs. 1 KStG – Körperschaftsteuersatz; Senkung um einen Prozentpunkt pro Jahr ab 2028 auf 10 % ab 2032 durch das Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm, BGBl. 2025 I Nr. 161 vom 18.07.2025
- § 11 Abs. 2 GewStG – Steuermesszahl 3,5 %; § 16 GewStG – Hebesatz der Gemeinde
- § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 Satz 5 EStG – private Veräußerungsgeschäfte, Haltefrist ein Jahr, Freigrenze 1.000 €; BMF-Schreiben vom 06.03.2025 zur ertragsteuerlichen Behandlung von Kryptowerten
- BaFin, Allgemeinverfügung bezüglich Contracts for Difference (CFDs) vom 23.07.2019 – Hebelbegrenzung, Ausschluss der Nachschusspflicht und Risikowarnung für Privatkunden
- Chague, De Losso, Giovannetti: Day Trading for a Living?, Working Paper 2019 – Auswertung aller Daytrader am brasilianischen Terminmarkt 2013–2015
- Jegadeesh, Titman: Returns to Buying Winners and Selling Losers, Journal of Finance 48 (1993), S. 65–91 – Momentum-Effekt bei Aktien